Die Barbarossa Sage 

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Keine Region in Deutschland ist durch die Sagenwelt so bekannt wie der Kyffhäuser. Hier ist eine der bekanntesten deutschen Volkssagen beheimatet - die Barbarossa- oder Kyffhäusersage. 
Sie erzählt von dem im Kyffhäuser schlafenden Kaiser Friedrich I. Barbarossa.
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Die Sagenwelt der Menschen ist schon sehr alt. Zunächst beziehen sich die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen, die in den Sagen zum Ausdruck kommen, auf die Götter. Später werden berühmte Kaiser zum Mythos.

Grundtenor aller Sagen ist der Gerechtigkeitssinn der einfachen Menschen. Das Wunschdenken war oft die einzige Möglichkeit, sich über widerfahrenes Unrecht zu trösten. Die Sehnsucht nach einem geordneten, friedlichen Leben und einer gerechten Obrigkeit verband sich mit dem "einstmals wiederkehrenden Kaiser".

Drückende Not und soziale Missstände im deutschen Reich nach 1250 waren ein Nährboden für die Entstehung eines großen Sagenkreises. Krieg und Elend , zahllose soziale, weltliche wie geistliche Missstände erinnerten das Volk an die einstige Reichsherrlichkeit unter den Staufern.




Der Zweifel am Tode Friedrich II., der fernab von Deutschland in Italien starb, ist die Vorstufe der Barbrossa- oder Kyffhäusersage. In der sächsischen Weltchronik von 1521 heißt es : " Zu diesen Zeiten sagte man, dass Kaiser Friedrich gestorben sei. Ein Teil des Volkes sagte, er lebe noch. Der Zweifel währte lange Zeit". Das Auftreten "falscher Friedriche" bereits in den 80iger Jahren des 13. Jh. bestärkte die Menschen in ihrem Glauben.

Die Kaisersage berichtet, dass der "wiederkehrende Kaiser" zunächst "überall" als Waller (Wanderer) oder Pilgerer umherwandere.
Im 15. Jh. lokalisierte sich die Sage vornehmlich auf dem Kyffhäuser.




In seiner "Düringischen Chronik" schreibt Johannes Rothe "...daß keißer Fredrich noch lebe ... unde der herwander zu Kuffhußen yn Doringen uf dem wusten Sloße unde oude ouch uf anderen wusten burgen die zu dem reiche gehoren."

Die Sage konzentrierte sich in einem Gebiet das ehemaliges Zentrum mittelalterlicher kaiserlicher Macht war. Hier, wo die Zersplitterung des Reiches nach 1250 besonders stark und die feudalen Machtkämpfe erbittert waren, war die Sehnsucht der Menschen nach einem geordneten und friedvollen Leben ausgeprägter als anderswo.

In den Überlieferungen des 14. und 15. Jh. wurde vielfach nur der Name Friedrich genannt, es bleibt also offen, ob Friedrich I. Barbarossa oder sein Enkel Friedrich II. gemeint war. Das Volksbüchlein (1519) "Eine wahrhafftige historij von dem Kaiser Friederich der erst seines namens, mit ainem langen roten bart, den die Wahlen (Italiener) nenten Barbarossa", sprach erstmals von Friedrich I. als Sagenkaiser und setzt ihn auch in den Berg hinein. Denn es heißt weiter: "... er sei noch lebendig in einem holen perg, soll noch herwider kommen ... und sein schilt noch an den dürren Paum hengken...".

Über einen längeren Zeitraum hinweg wurde es um die Sage ruhiger. Später reicherte sich der Sagenstoff mit ausschmückenden Elementen (Rabenmotiv ) an.

1703 faßt der Nordhäuser Stadtphysikus Behrens die grundlegenden inhaltlichen Elemente der Sage zusammen: "... auch Keyser Friederich der Erste, Aenobarbus oder Barbarossa, das ist Roth=bart, zubenahmt, sich selbst mit etlichen der Seinigen in diesen Ort verfluchet habe, auch dieserwegen mit ihnen daselbst auf der Banck, an einem steinernen Tisch sitzend, und den Kopf in der Hand haltend, ruhe oder schlaffe, dem Käyser aber sey sein rother Bahrt durch den tisch bius auf die Füße gewachsen, nicke stetig mit dem Kopfe und zwinckere mit den Augen als wenn er nicht recht schlieffe, oder bald wieder aufwachen wolle ... und sein verlassenes Keyserthum auf das Neue antreten und bestätigen werde."

Da Friedrich I. Barbarossa sich auf jeden Fall ein Mal in der Nähe der Reichsburg Kyffhausen, in der Königspfalz Tilleda aufhielt und mehrer Male in benachbarten Pfalzen, liegt es Nahe, dass er zum Sagenkaiser wird. Auch hielt sich Barbarossa den größten Teil seiner Regierungszeit in Deutschland auf, was man von seinem Enkel Friedrich II nicht sagen kann.

Die Kyffhäusersage hat auch immer an einem einfachen Sagenbild festgehalten - Der Kaiser spricht mit dem gemeinen Mann, dem es glückt, ihn zu sehen, von seiner Wiederkehr auf die Erde.

Hier am und um den Kyffhäuser hat sich ein reicher Sagenkranz gebildet und nur hier konnte diese deutsche Volkssage ihre wirksamste und einzigartige Verwirklichung finden.

In der deutschen Romantik, Anfang des 19.Jh. richtete man seine Aufmerksamkeit verstärkt auf das Mittelalter. Die Kyffhäusersage wurde neu belebt. Ludwig Bechstein und auch die Gebrüder Grimm haben uns einen reichen Sagenschatz hinterlassen.

Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiser-
reiches 1806 und der erneuten Zersplitterung des Reiches besann man sich auf die einstige Reichsherrlichkeit unter den Staufern, besonders auf Barbarossa. 1817 entstand das bekannte Gedicht von Friedrich Rückert . " Der alte Barbarossa" - das zum Inhalt der Kyffhäusersage wurde. Das Gedicht war Pflichtstoff in der Schule und viele Menschen kamen so mit der Idee und den Gedanken der Sage in Berührung. In den Jahren bis 1871 wurden der Kyffhäuser (die Ruinen der alten Reichsburg) und ebenso die Barbarossasage zum Symbol für die Freiheitsbestrebungen der fortschrittlichen Kräfte, die für die Entstehung eines deutschen Nationalstaates eintraten. Einer ihrer Hauptgedanken war die Hoffnung, die Sehnsucht und der Wunsch nach einem geeinten Deutschen Reich. Die Barbarossasage entwickelte sich in dieser Zeit zur Nationalsage des deutschen Volkes.




Es gibt mehrere Berge, in denen Barbarossa schlafen soll. Einen bei Kaiserslautern, auch der Untersberg bei Berchtesgarden. Aber der Kyffhäuser ist der bekannteste Berg - hier weiß man, dass er hier schlafen soll - und hier sucht man ihn.

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