Vorwort

 

 Diese Festschrift liegt so im Original vor. Sie ist im Stil von 1900 verfasst, mit all den Formulierungen und Anreden. Wer Urkunden anderer alter Vereine liest wird feststellen, dass dieser Sprachgebrauch damals so üblich war. Die Abschrift wird fortgesetzt, sie umfasst jetzt die Zeit von 1875 - 1881.  Das vorliegende Original kam 2004 aus Salzgitter-Bad.    

Eike Bock LV Schatzmeister

 

 

 

Festschrift

 

zur Feier des

 

25 jährig. Bestehens

 

des Verbandes

 

Braunschweig, den 1. Juli 1900

 

 

 

 

 

FESTSCHRIFT

 

Zur Erinnerung

an die Feier des 25 jährigen Bestehens des unter

dem Protektorat Seiner Königlichen Hoheit des

Prinzen Albrecht von Preußen etc.,

Regenten des Herzogtums Braunschweig, stehenden

Braunschweiger Landwehr-Verbandes.

 

 

 

1875 – 1900

 

 

Dir Vaterland, Du höchstes Gut,

Dir weih’n  wir stets aufs neue

Die deutsche Kraft, den deutschen Mut,

Dazu die deutsche Treue.

 

Die deutsche Kraft, die sich bewährt

So oft in schweren Tagen,

Sei jeder Zeit bereit, das Schwert

Zu Kampf und Sieg zu tragen.

 

Der deutsche Mut soll zielbewusst,

Wo uns auch Feinde drohen,

Wie aus der Väter stolzer Brust,

Hell auf zum Himmel lohen.

 

Mit deutscher Treue wollen wir

Zu Deutschlands Fahne stehen

Und mit dem letzten Blick zu ihr

Dem Tod entgegengehen.

 

Gott aber, der so wunderbar

Gelenkt das deutsche Streben,

Er lasse Deutschlands Kaiseraar

Zum Lichte weiter schweben.

 

Und gebe, dass im deutschen Blut

Sich immerdar erneue

Die deutsche Kraft, der deutsche Mut,

Dazu die deutsche Treue!-------

 

                                               Louis Engelbrecht

 

 

Vorwort

 

Als in den ersten Tagen des Juli 1875 eine stattliche Anzahl braunschweigischer Männer, ehemalige Soldaten, welche mit Ehren das Waffenkleid ihres Fürsten getragen und ihre militärischen Erlebnisse und Erinnerungen, zunächst in engeren Kreisen, mit Liebe gepflegt und hochgehalten, zu einer größeren Vereinigung, die das ganze Herzogtum umfassen sollte,  zu dem „Braunschweiger Landwehrverbande“ sich zusammengeschlossen, da stellten sie an die Spitze der Satzungen dieses Verbandes als den vornehmsten Zweck und als die Aufgabe des gemeinsamen Strebens:

 

 „Pflege der Liebe und Treue gegen Fürst und Vaterland, Kaiser und Reich – Hebung und Kräftigung der Kameradschaft – gegenseitige Unterstützung in der Not – feierliches Grabgefolge bei der Bestattung dahingeschiedener Mitglieder.“

 

Lange Jahre sind seit jenen Julitagen dahingerauscht, vieles hat sich geändert im Wandel der Zeiten, Altes ist versunken, Neues erstanden – aber was in jenen Stunden unter den noch frischen und lebendigen Eindrücken der großen Ereignisse von 1870-71 in heller Begeisterung aus warmen Herzen geschaffen wurde, das ist freudig von Denen aufgenommen und weitergeführt worden, die später gleichen Sinnes und Strebens Jahr um Jahr in immer wachsender Menge sich um das Banner des Verbandes geschart, das in blaugelbem Felde das altehrwürdige Wappenzeichen Braunschweigs trägt und seinen Wahlspruch „Immota fides“ -

„unerschütterliche Treue!“

 

Aus den Dreitausend, die am 11. Juli 1875 die Hände zusammengelegt, sind heute Zwanzig-Tausend geworden, aber die von Anbeginn aufgenommene Marschrichtung, gekennzeichnet durch die ersten Worte der Satzungen:

     „Pflege der Liebe und Treue zu Fürst und Vaterland, Kaiser und Reich“

ist allezeit unverrückbar dieselbe geblieben. In guten, wie in schlechten Tagen ist der Braunschweiger Landwehrverband vorwärts geschritten, - zur Rechten und Linken sind gefallen, die nicht mit ihm gehen, diese Mar4schrichtung nicht einhalten mochten; in die Lücken aber sind andere, bessere Männer gesprungen, und heute begeht, groß geworden und nach jeder Richtung hin erstarkt, der Verband die Feier seines fünfundzwanzigjährigen  Bestehens!

 

Wohin richtet sich heute unser erster gemeinsamer Gedanke?

 

Nächst Gott, dem Herrn, der unser Tun so sichtbar gesegnet, bringen in ehrerbietigster Anhänglichkeit und Liebe, in unerschütterlicher Treue dem durchlauchtigsten Schutzherrn

unseres Verbandes

 

Seiner Königlichen Hoheit, dem Prinzen Albrecht von Preußen,

Regenten unseres vielgeliebten Heimatlandes

 

zuerst wir unseren Dank entgegen!

Wir danken Ihm für die zahlreichen uns zuteil gewordenen Beweise huldvoller Fürsorge, für das uns geschenkte und stets bewahrte Wohlwollen und Vertrauen, das unser Stolz und unsere Freude. Mit unserem ehrfurchtsvollen Dank verbinden wir die innige Bitte, dass Gott Seine Königliche Hoheit segnen und Ihm Rüstigkeit des Geistes und Körpers noch lange Jahre erhalten möge!

 

 

Wir danken den Herzoglichen Staatsbehörden, vor allem dem Herzoglichen Staats-Ministerium für die dem Verbande so oft und so gütig erwiesene Förderung unserer Bestrebungen, für die bereitwillige Gewährung so mancher Bitte, die dem Verbande und seinen Mitgliedern am Herzen gelegen. Durch treueste Erfüllung der von uns übernommenen und uns zugeteilten Pflichten, durch freudigen und steten Gehorsam gegen Obrigkeit und Gesetz, durch offene und zuverlässige Mitwirkung im Widerstande gegen innere und äußere Feinde, gegen Zwiespalt und Umsturz wollen wir bemüht sein, die Worte unseres Dankes in Taten umzusetzen!

Wir danken den Freunden und Gönnern, die zahlreich sich uns zugewandt, die mit Rat und Tat uns unterstützt, die überall gern den Weg uns geöffnet und gebahnt, wo unsere eigene Kraft nicht hinreichte!

Die „Pflege der Liebe und Treue“ zu allen, denen der Verband zu danken hat, sie soll ihm allzeit ein liebes Vermächtnis sein und bleiben!

 

Und nun zu dem, was satzungsgemäß in zweiter Linie uns oblag:

 

„Hebung und Kräftigung der Kameradschaftlichkeit –

gegenseitige Unterstützung in der Not.“

 

Mit den Gefühlen wahrhafter Befriedigung dürfen wir in dieser Beziehung rückwärts schauen.

In einträchtigem Zusammenhalten stehen Schulter an Schulter – einer für alle und alle für einen – die Tausende, die der Verband heute zu seinen Mitgliedern zählt. Den selbstgegebe-nen  Gesetzen willig sich unterordnend, arbeiten die Einzelvereine, wie auch naturgemäß, zunächst für die Hebung und die Weiterentwicklung ihrer engeren Bezirke, aber dabei hängen sie doch alle mit ganzem Herzen an dem Verbande, stolz auf seine Ausbreitung und seines wachsenden Ansehens sich freuend. Ein Festes Band treuer Kameradschaft verbindet sie allesamt.

Und die Wohlfahrtseinrichtungen des Verbandes! Aus kleinsten Anfängen heraus haben sie durch allseitige Opferwilligkeit seiner Mitglieder, durch Sparsamkeit, sorgfältige Verwaltung und – nicht zuletzt – durch warmherzige Zuwendungen von Hoher Stelle, sich hocherfreulich entwickelt und mit dem Wachstum des Verbandes Schritt halten können. Wie viel Sorge und Kummer haben wir während der verflossenen fünfundzwanzig Jahre in den Kreisen der Kameraden zu lindern vermocht, wie manchen über Stunden des Schmerzen hinweggeholfen, wie vielen Witwen und Waisen verstorbener Mitglieder ihr schweres Los erleichtern können!    Und wenn einem Kameraden das letzte Stündlein schlägt, wenn ihn unser Herrgott abruft zu der großen Armee im Jenseits, dann gereicht es ihm und den Seinen noch zu wehmütiger Freude, zu wissen, dass nach den Satzungen des Verbandes, dem er im Leben angehört, ihm, wenn er geschieden, das „feierliche Grabgefolge“ des Soldaten zu teil werden darf.

Kameraden-Hände werden ihn dann hinaustragen, die Florumhüllte Fahne seines Vereins wird sich über seine Gruft senken und das Scheiden wird ihm weniger schwer fallen, da er weiß, dass die Kameraden-Treue noch über das Grab hinaus dauert, dass Frau und Kind an dem Verbande eine Stütze finden werden „in der Not!“ 

 

Fünfundzwanzig Jahre lang hat der Braunschweiger Landwehrverband so nach seinen Satzungen gewirkt und seine Pflichten zu erfüllen gesucht; die Anerkennung, welche wiederholt von Höchster Stelle ihm geworden, die innere Befriedigung, an einer großen Aufgabe nicht ohne Erfolg mitgearbeitet und damit die Achtung und Zuneigung aller deutschen Bruderverbände sich erworben zu haben, ist seinen Mitgliedern der schönste Lohn.

  Das Kriegsvereinswesen wird von denen, die absichtlich oder teilnahmslos, sich von ihm fernhalten, häufig als eine müßige Spielerei, zumeist als ein Mittel angesehen, seinen Mitgliedern lediglich Anlass zu Festen und Vergnügungen zu geben.

Möchte die nachstehende Darstellung dessen, was den Braunschweiger Landwehrverband während seines Fünfundzwanzigjährigen Bestehens bewegt, was er Ernstes, Patriotisches und Menschenfreundliches während dieser Zeit erstrebt und erreicht hat, dazu beitragen, freund- licheren und gerechteren Ansichten Bahn zu brechen, die alten bewährten Freunde und Gönner in ihrer Zuneigung zu bestärken, und neue Anhänger und Förderer unserer Sache zu gewinnen und zuzuführen.

Sie sei zugleich ein Ausdruck des herzlichen Dankes gegen die, welche nach treuer, unver- gessener Mitarbeiterschaft heute in unseren Reihen fehlen, der frohen Befriedigung derer, die wir den heutigen Jubeltag festlich begehen können, ein Aufruf endlich und eine Mahnung zur Nacheiferung für alle, die nach uns kommen werden.

 

Braunschweig, im Juli 1900, am Tage der Feier des fünfundzwanzig-

                                              jährigen Bestehen des Verbandes.

 

 

                                                                                       Frühling,

                                                                                           Major der Landwehr a. D.

                                                                            Vorsitzender des Braunschweiger Landwehrverbandes

                                                                 

                                                                                

Der gewaltige Kampf zwischen Deutschland und Frankreich war zu Ende. – In einer langen Reihe glänzender Siegestaten war das übermütige Frankreich zu Boden geworfen, und auf den blutbedeckten, schwer errungenen Schlachtfeldern hatte das deutsche Volk die Erfüllung seiner Träume gewonnen, seines langen heißen Sehnens: die Einigkeit aller seiner Stämme, das deutsche Reich, die deutsche Kaiserkrone!

Heimwärts zogen, lorbeergeschmückt, die siegreichen Heere, jubelnd empfangen und begrüßt; und nun schlug nach treu erfüllter Pflicht denen, die so lange Zeit in engster Gemeinschaft zu einander gehört, die so manchen Tag Schulter an Schulter gefochten, so manche Nacht zusammen auf gefahrvoller Wacht gestanden - , die Stunde der Trennung und des Abschiedes von lieb gewordenen Gefährten.

Aber die treue Kameradschaft, die in der harten Schule des Heeres und des Krieges sich doppelt gefestigt, die unzähligen Erinnerungen an so viele gemeinsam durchlebte Gefahren, an so viele gemeinsam genossene, große und erhebende Ereignisse, und der in allen lebendige Wunsch, diese Kameradschaft und diese Erinnerungen in der wieder herantretenden Alltäglichkeit des Lebens nicht einschlummern und untergehen zu lassen, sie schufen den fruchtbaren Boden, in welchem allenthalben das Kriegervereinswesen Wurzeln fasste, sich neu belebte kräftig und freudig in die Halme schoss.

Und was die alten Soldaten draußen im Felde gelernt, - dass des Einzelnen Kraft und Wollen sich nutzlos zersplittert, wo geregeltes Zusammenwirken vieler den Erfolg verbürgt, - das trugen sie klug in das aufstrebende Vereinswesen hinein. Überall, in den Ämtern, Provinzen und Einzelstaaten schlossen sich die Vereine, groß und klein, zu starken Verbänden zusammen Stolz auf das durch ihr redliches Streben erworbene Vertrauen der Fürsten, durch das wohlwollen der Behörden gefördert und unterstützt, mit mannigfachen Vorrechten vor anderen Vereinigungen begabt und ausgezeichnet, überall

die Treue gegen Kaiser und Reich, Fürst und

Vaterland, Achtung und Gehorsam vor dem Gesetz

Als ersten Grundsatz hochhaltend und verteidigend, sind die deutschen Kriegerverbände mit ihren fast zwei Millionen Mitgliedern heute eine Macht geworden, eine starke Stütze des Staates und seiner Einrichtungen, ein verlässlicher Damm gegen die Wogen des Umsturzes und der Zerstörung, treue Hüter monarchischer Gesinnung, im bürgerlichen Rock eine kampfbereite Armee bewährter Streiter!

In ihrer Organisation  zwar selbständig und sich sondernd je nach staatlicher Zugehörigkeit, aber aufs engste zusammengeschlossen um das Panier des Reiches, - anhängliche Söhne zwar ihrer engeren Heimat, aber das große deutsche Vaterland allem voranstellend, so bilden diese alten Soldaten eine über das Gebiet ganz Deutschlands sich erstreckende, durch keinen äußeren Zwang beengte Gemeinschaft, deren Gesinnung ihren schönsten und erhabensten Ausdruck in dem Denkmal findet, dass sie dem Gründer des Reiches, dem unvergesslichen Heldenkaiser Wilhelm I. auf dem waldumrauschten Kyffhäuser aufgetürmt.

Festgefugt, wie der gewaltige Bau unseres Denkmals, stehen heute die deutschen Kriegerverbände, - mögen sie dauern wie Erz und Stein, dem Vaterlande zum Segen!

 

 

 

Aus der Geschichte des Verbandes

 

Innerhalb der allgemeinen deutschen kameradschaftlichen Vereinigung nimmt der Braunschweigische Landwehrverband eine hoch geachtete und angesehene Stellung ein. – Bereits im Jahre 1859 hatten in der Stadt Braunschweig die Kämpfer aus den schleswig- holsteinischen Feldzügen als die ersten zu einem Kriegerverein sich zusammengeschlossen.

1868 folgte Helmstedt, 1869 Blankenburg, Schöningen und Braunschweig mit einem zweiten Verein, 1870 Schöppenstedt, und nach dem großen Kriegsjahre spann sich bald ein wenn auch anfänglich lockeres Netz von Vereinen über das ganze Herzogtum.

In dem Bewusstsein, dass das Kriegsvereinswesen nur dann an Macht und Ansehen gewinnen könne, wenn die damals etwa 50 Vereine des Herzogtums sich als ein organisches Ganzes zusammenschlössen, kamen anlässlich eines Festes des Landwehrvereins Wolfenbüttel im Jahre 1872 die ersten Anregungen zu der Gründung eines Verbandes. Eine kräftige Unterstützung fanden diese Absichten bei dem derzeitigen Bezirkskommandeur zu Braunschweig, Oberst Dedekind (später von 1884-1891 Ehrenpräsident des Braunschweiger Landwehrverbandes), der von Anfang an bis zu seinem letzten Atemzuge dem Kriegerver- einswesen seine wärmste Teilnahme schenkte.

Im Jahre 1873 fand dann zwecks des angeregten Zusammenschlusses eine Versammlung in Schöppenstedt statt, die jedoch keine wesentliche Förderung brachte. Auch die am 15. März 1874 daselbst stattgehabte Versammlung, zu der sämtliche Vereine des Herzogtums geladen waren, hatte nur den Erfolg, dass sich 5 Vereine: Wolfenbüttel, Söllingen, Blankenburg, Schöningen und Gandersheim mit Schöppenstedt zu einer Vereinigung, die mit dem Namen „Krieger- und Landwehrvereinsverband für das Herzogtum Braunschweig“ belegt wurde, zusammenschlossen. Wesentliche Änderungen traten aber ein, als im Jahre 1875 der Kreislandwehrverein Braunschweig vorgenanntem Verbande unter der Bedingungbeitrat, dass die Auflösung des oben genannten Verbandes stattfinden solle. Zum Zwecke der Konstituierung eines neuen Verbandes wurde eine für Wolfenbüttel in Aussicht genom- mene Versammlung nach Braunschweig verlegt und beschlossen, die Gründung des neuen Verbandes durch ein größeres Landwehrfest am 10., 11. und 12. Juli 1875 in der Hauptstadt zu feiern. Unter Vorsitz des Kameraden Singelmann I –Schöppenstedt trat dann die erste Delegiertenversammlung am 11. Juli morgens 11 Uhr in „Bethmanns Hotel“ zusammen, in der die vom Kreislandwehrverein Braunschweig verfassten neuen Statuten einstimmig genehmigt wurden. Es waren erschienen die Vertreter folgender 24 Vereine des Herzogtums: Singelmann I und II, Tschintschy, Wiesemann und Mack für Schöppenstedt, Hülsenbeck, Vorlop, Krone und Otto für Wolfenbüttel, Klenke und Oppermann für Salder, Nabel und Breustedt für Jerxheim, Schmidt für Gandersheim, Meyer Müller, und Strebe für Schönin- gen, Sachs, Hinze und Müller für Söllingen, Bosse und Wäterling für Börßum, Kramer, Meyer und Breustedt für Harzburg, von Brömbsen, Preen, Zobel und Willecke für Königs- lutter, Meyer und Baake für Gevensleben, Brandes und Tübbesing für Hessen, Wienbreyer und Körber für Blankenburg, Müller und Sonnenberg für Seesen, Schäfer für Bahrdorf, Engel für Hohegeiß, Marten und Steinmann für Bornhausen, Walter und Grippling für Beddingen, Hampe für Oker, Walter und Weber für Eschershausen, Keck, Lübeck und Appel für Helmstedt, Glandau und Soltau für Thedinghausen, Weber, Lochte, Feldmann, Wieswedel, Kruse, Seyer, Ransch und Wieper für Braunschweig, Stadtoldendorf endlich ließ sich durch Hülsenbeck vertreten.

 

 

Zum Vorsitzenden des Verbandes wählte die Versammlung den Prämierleutnant der Landwehr Kamerad Gutkind zu Braunschweig, zu dessen Stellvertreter den Kamerad Hülsenbeck; zu Schriftführern bestimmte man die Kameraden Kruse und Berglein, beide in Braunschweig. Ein Kassenführer wurde nicht gewählt, da die bisherige „Verbandskasse“ in Schöppenstedt dem neu gegründeten Verbande nicht überwiesen, sondern unter die ehema- ligen Mitglieder der bis dahin bestandenen Vereinigung verteilt wurde, und Barbestände so-mit nicht vorhanden waren. Man hielt auch eine „Verbandskasse“ vorläufig nicht für erforderlich.

Unmittelbar nach der Wahl des Vorstandes ergriff der nunmehrige Vorsitzende, Kamerad Gutkind, das Wort zu einer längeren Ansprache, dankte für das ihm und den anderen Vorstandsmitgliedern erwiesene Vertrauen und „erklärte dann den „Braunschweiger Landwehrverband“ damit für konstituiert“. – 24 Vereine mit 3441 Mitgliedern traten dem Verbande sofort bei. –

Der 11. Juli 1875 ist demnach, wie auch in den Allerhöchst genehmigten Satzungen verzeichnet, der Gründungs- und Geburtstag des jetzt bestehenden Braunschweiger

Landwehrverbandes! –

 

 

Nunquam retrorsum!

 

Als zarte Pflanze hat der Verband sein Leben begonnen und ist im Laufe der verflossenen 25 Jahre zu einem mächtigen Baume emporgewachsen, der heute vielfältige Frucht trägt. Im nachstehenden geben wir eine knappe Übersicht der wichtigsten Ereignisse dieser Zeit.

 

 

1875 – 76

 

Während der ersten Lebensjahre stand an der Spitze des Verbandes, wie oben erwähnt, Premierleutnant d. L. Gutking – Braunschweig, unter seiner Leitung wurde das 2. Verbands-fest am 25. Juni 1876 in Harzburg abgehalten; ihm folgte

 

 

1877

 

Premierleutnant d. L. Direktor Hampe – Oker, der unermüdlich und opferfreudig bis zum Jahre 1883 als treu sorgender Gärtner das zarte, noch längst nicht wetterfeste Bäumchen behütet und gepflegt hat.

Am 10. Juni 1877 wurde das 3. Verbandsfest zu Blankenburg gefeiert.

 

 

1878

Landwehrzeitung.  Verbandskasse.

Auf dem Verbandstage gelegentlich des 4. Verbandsfestes in Wolfenbüttel am 13., 14. und 15. Juli brachte Kamerad Lange – Braunschweig die Gründung einer Landwehrzeitung in Anregung. Die erste Nummer erschien bereits am 15. August d. J. unter der Bezeichnung: „Organ des Braunschweiger Landewehrverbandes, herausgegeben vom Vorstand desselben.“ (Anlässlich des 2. Verbandsfestes in Harzburg hatte der Vorstand schon mit einer „Zeitschrift

 

für den Braunschweiger Landwehrverband“ den Versuch gemacht, es kam aber nicht über die

1. Nummer hinaus, da das löbliche Unternehmen bei der Delegiertenversammlung keine Unterstützung fand.) Die neue Zeitung trat mit 214 Abonnenten ins Leben und erschien  zu- nächst jeden 15. des Monats. Der Verbandsvorstand war jetzt bereits erweitert und bestand aus den Kameraden Hampe – Oker, Vorsitzender;  Hülsenbeck – Wolfenbüttel, dessen Stell-

vertreter;  Lange – Braunschweig, 1. Schriftführer;  Klenke – Lesse, dessen Stellvertreter; Berglein – Braunschweig, 1. Kassierer;  H. Weber – Braunschweig, dessen Stellvertreter; Singelmann I – Schöppenstedt, Beisitzer.

Die Delegiertenversammlung zu Braunschweig am 12. Mai setzte den Jahresbeitrag zur Ver- bandskasse auf  20 Pfennig pro Kopf fest, ein Betrag, der noch heute zum Segen des  Ver- bandes  in gleicher Höhe erhoben wird.

Durch sparsames Haushalten und eine sorgsame Kassenverwaltung ist es im Laufe der Zeit möglich geworden, aus diesen, an sich kleinen, dem Einzelnen in keiner Weise fühlbaren Be-

trägen, doch ein für die ganzen Verhältnisse ansehnliches Vermögen anzusammeln. Dasselbe

ist im Laufe der Jahre auf 44 000 Mark angewachsen.

 

Allgemeiner Deutscher Kriegerverband.

Auf einem allgemeinen deutschen Kriegertage in Freiburg wurde in Anregung gebracht, unter dem Protektorate Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm I., alle deutschen Kriegervereine zu vereinigen. Se. Majestät zeigte sich dieser Idee geneigt und beauftragte den General v. Glümer, die Vereinigung zu vermitteln. Ein von dem genannten Herrn erlassenes Rund- schreiben begrüßte der Vorstand des Braunschweiger Landwehrverbandes freudig und es wurde in einer am 15. September nach Söllingen berufenen Delegiertenversammlung folgen- der Beschluss gefasst:

„Die Delegiertenversammlung beschließt, den Wünschen des Herrn Generals v. Glümer in der Weise Folge zu geben, dass der Verband dem „Allgemeinen Deutschen Kriegerverband“ beitritt und den zu entsendenden Delegierten zu dem von Herrn General v. Glümer zu beru- fenden Kriegerkongresse, in specie zur Beratung der Statuten mit ausgedehnter Vollmacht versieht.“

Als Delegierter nach Frankfurt a. M. wurde Kamerad Hampe, der auch den Verband schon auf dem voraufgegangenen diesbezüglichen Kriegertage in Gießen vertreten hatte, wieder bestimmt. Der dann am 8., 9. und 10. Mai in Frankfurt a. M. tagende Kriegerkongress wählte Kamerad Hampe – Braunschweig zu seinem Präsidenten. Es wurde daselbst die Bildung des „Deutschen Kriegerverbandes“ beschlossen.

 

 

1879

 

Das 5. Verbandsfest fand am 12., 13. und 14. Juli in Seesen statt. Auf dem Verbandstage daselbst wurde in Anregung gebracht, Se. Hoheit den Herzog Wilhelm v. Braunschweig um Übernahme des Protektorats über den Verband unterthänigst zu bitten, sowie anlässlich des 50 jährigen Regierungs-Jubiläums des Herzogs am 25. April 1881 eine Stiftung zur Unter-  stützung bedürftiger Witwen und Waisen ehemaliger Verbandsmitglieder unter dem Namen „Herzog Wilhelm - Stiftung“ ins Leben zu rufen.

 

Protektorat.

Der derzeitige Kommandeur des Braunschweigischen Kontingents, Der Königl. Preußische General Herr v. Zeuner, legte Sr. Hoheit die Wünsche des Verbandes vor und mit folgender Allerhöchster Ordre übernahm Herzog Wilhelm am 27. Oktober das Protektorat über den Verband:

 

Wilhelm, Herzog usw. Wir wollen auf Ansuchen des Vorstandes des Braun-

schweiger Landwehrverbandes und nach Ihrem bezüglichen Vortrag nach Vorlegung der Verbandsstatuten das Protektorat über den Braunschweiger

Landwehrverband damit übernehmen und beauftragen Sie, den Verbandsvor-

stand hiervon in Kenntnis zu setzen.

Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedruckten Herzog-

lichen Geheime Kanzlei-Siegels.

           Braunschweig, den 27. Oktober 1879

 

 gez. Wilhelm (L.S.)                                               geg. gez.  Schulz

                                                                               Staatsminister  .

 

An den Kommandeur des Herzogl. Kontingents

            Herrn General v. Zeuner

 

Diese hohe Auszeichnung machte es notwendig, einen Überblick über den Verband zu schaffen und so erschien der erste Rapport des Braunschweiger Landwehrverbandes am 16. November 1879 mit folgenden Angaben:

„ Effektivstärke des Verbandes: 54 Vereine mit 5129 Mitgliedern.

Verbandsvermögen 900 Mark. Vorstand:

                         Direktor E. Hampe – Oker , Vorsitzender

                         Finanzkalkulator Lange-Braunschweig, Schriftführer

                         Papierhändler Berglein- Braunschweig, Kassierer

                         Kaufmann Hülsenbeck-Wolfenbüttel, stellvertr. Vorsitzender

                         Bauaufseher Klenke-Lesse, stellvertr. Schriftführer

                         Lehrer Reiche-Braunschweig, stellvertr. Kassierer

                         Grubenbesitzer H. Weber-Braunschweig, Beisitzer

                         Forstassistent Koch-Harzburg, Beisitzer

                         Lehrer Gerson-Seesen, Beisitzer

                         Fabrikaufseher Sachs-Söllingen, Beisitzer

                         Bürstenfabrikant Hary-Helmstedt, Beisitzer

Der Verband ist gegründet im Juli 1875.“

 

1880

 

Die um den Verband hochverdienten Herren: Generalleutnant v. Zeuner und Oberst Dede-kind wurden als die ersten zu Ehrenmitgliedern des Verbandes ernannt.

Am 10., 11. und 12. Juli fand das 6. Verbandsfest in Helmstedt statt. Wie im ganzen deutschen Vaterlande, so wurde auch von dem Verbandsvereine die zehnjährige Wiederkehr des denkwürdigen Tages von Sedan besonders festlich begangen.

Providentia – Vertrag.

Am 31. Oktober schloß der Verbandsvorstand mit der Versicherungsgesellschaft Providentia in Frankfurt a. M. einen Vertrag, welcher den Verbandsmitgliedern erhebliche Vorteile zu- führte und zugleich der Verbandskasse eine fortlaufende Einnahme schuf. (1899 betrug die-selbe 3474,59 Mk.) – Die große Mehrzahl der Kameraden schenkt leider dieser Sache nicht die ihr gebührende Beachtung.

 

 

 

1881

 

Regierungs-Jubiläum Herzog Wilhelms.

Ein für den Verband bedeutungsvolles Jahr! In dasselbe fiel die Feier des 50-jährigen Regierungs-Jubiläums des geliebten Herzogs Wilhelm, welche der Verband in würdiger und schöner Weise begangen hat. Von langer Hand vorbereitet, wurde das Fest – gleichzeitig das 7. Verbandsfest – am 24., 25. und 26. April in der Residenz unter großer und allseitiger Betei-ligung gefeiert. Der Vorstand wurde von Seiner Hoheit empfangen und überreichte dem hohen Protektor folgende Adresse:

 

                                       Durchlauchtigster Herzog!

                                       Gnädigster Herzog und Herr!

 

             Eurer Hoheit wagt an dem heutigen Jubeltage auch der unter Eurer Hoheit                                               

             Protektorate stehende Braunschweiger Landwehrverband seine ehrfurchts-

             vollsten Glückwünsche darzubringen.

             Von Dankbarkeit durchdrungen für das, was Eure Hoheit seit 50 Jahren dem

              Braunschweigischen Lande und Volke sind, glaubt der Braunschweiger

              Landwehrverband auch beitragen zu müssen, diesen Tag für alle Zukunft zu

              einem Segenstage zu machen. 

              Eure Hoheit bittet deshalb der Braunschweiger Landwehrverband unter aller-

              untertänigster Überreichung des anliegenden Status, Allerhöchst Ihre Genehmi-

              gung zu einer

 

Herzog Wilhelm – Stiftung

 

             unter Verleihung der Rechte einer milden Stiftung allergnädigst erteilen zu wollen.

             Ein zu diesem Zwecke gesammeltes Kapital von 5000 Mk. Steht bereits zur Verfü-

             gung des Verbandes. Die Zinsen davon sollen alljährlich zur Erinnerung an Eurer Ho-

             heit 50jähriges Regierungs-Jubiläum an bedürftige Witwen und Waisen ehemaliger

             Mitglieder des Braunschweiger Landwehrverbandes, ohne Unterschied der früheren

             Charge, zur Verteilung gelangen.

                                 

                            Gott segne und erhalte Eure Hoheit!

 

                                                                             Ehrfurchtsvoll verharren

                                                                                       Euer Hoheit

                                                                      alleruntertänigst treugehorsamster

                                                      Vorstand des Braunschweiger Landwehrverbandes.

 

 

Seit diesem Tage hegt und pflegt der Verband diese milde Stiftung als sein liebstes Kind! Bei jeder festlichen Gelegenheit wird ihrer gedacht und für sie gesammelt. Alljährlich am 25. April gelangen die Auskünfte an Witwen und Waisen ehemaliger Verbandsmitglieder zur Beurteilung.

Viel Kummer und Elend hat mit diesen Unterstützungen gemildert, manche Träne getrocknet,

manch hungriges Kind gesättigt, manch trauerndes Herz getröstet werden können! –

Das Vermögen der Stiftung ist im Laufe der 18 Jahre von 5000 Mk. auf 63000 Mk. angewa-

chsen. An Unterstützung wurde gezahlt am 25. April 1882 die Summe von 500 Mk., am 25. April 1899: 2600 Mk.

 

Verbandsbanner.

 

Ein von Damen gestiftetes Verbandsbanner wurde am 24. April gelegentlich der Vorfeier des Jubiläumsfestes in der Aegydienhalle überreicht. In dem Festzuge, zu dessen historischer Ausstattung vom Herzoglichen Staatsministerium 8000 Mk. verwilligt, waren am Haupttage, 25. April, 63 Vereine mit 3842 Kameraden vertreten.

Zu der vor der festlichen Umfahrt Sr. Hoheit durch die Straßen der Stadt abgehaltenen Tour im Residenzschlosse waren auch der geschäftsführende Vorstandes des Verbandes, Kamera-den Hampe, Lange und Berglein, befohlen. Ersterer hatte als Vertreter des Verbandes die Ehre, später an der Galatafel teilzunehmen.

 

Verbandsbanner

 

Der Wunsch nach einem sichtbaren Zeichen der glorreichen Teilnahme braunschweigischer Truppen an den großen Errungenschaften von 1870-71 fand seine Erfüllung in der Errichtung des Lands-Kriegerdenkmals auf dem damaligen Tummelplatze, jetzigen Siegesplatze. Die Weihrede bei der Enthüllung am 26. April hielt Domprediger Abt D. Thiele.

Seine Hoheit geruhte gnädigst, dem Vorsitzenden des Verbandes, Kamerad Hampe, das Ritterkreuz mit Schwertern, dem 1. Schriftführer, Kameraden Lange, und dem 1. Kassierer, Kameraden Berglein, das Verdienstkreuz 1. Klasse zu verleihen.

Am 2. September hielt Ka9iseer Wilhelm I. die erste große Kaiserparade über das X. Armee-korps bei Hannover ab. Diese Gelegenheit wollten auch die ehemaligen Angehörigen dieses braven Korps nicht vorüber gehen lassen, ihrem großen Feldherrn von 1870-71 zu huldigen. 20 Verbandsvereine mit über 250 Teilnehmern hatten Aufstellung genommen und wurden von dem obersten Kriegsherrn huldvollst begrüßt.

 

 ........................

 Wird zu gegebener Zeit fortgesetzt.