Auszug aus Bundesinformationsblatt - Text: H. J. Sehestedt und www.kyffhaeuserbundev.de

 

 

1763  Der Siebenjährige Krieg ist zuende. Preußen ist ausgeblutet. Friedrich II. (der Große) kümmert sich jetzt um die Milderung der Not in seinem Lande. Friedrich, gleichermaßen Soldat wie König, widmet seine besondere Fürsorge den Kriegsinvaliden, Witwen und Waisen seiner Soldaten.

 

1784  Zwölf ehemalige Füsiliere des Infanterieregiments 36 des Generalmajors von Brünning marschieren von Wangerin, einer kleinen Stadt in Pommern, nach Brandenburg an der Havel - ca. 260 km - und werden im Auftrage weiterer 28 Kameraden beim Chef ihres Regiments vorstellig, um an allerhöchster Stelle die Erlaubnis zu erwirken, in ihrer Heimatstadt eine Schützenbruderschaft gründen zu dürfen.

 

1786  Zwei Monate vor seinem Tode erteilt der König Friedrich II. den vierzig ehemaligen Soldaten des Regiments von Brünning die Erlaubnis zu einem kameradschaftlichen Zusammenschluss. Er verleiht ihnen als äußeres Zeichen seiner Anerkennung die Fahne ihres ehemaligen Regiments mit der Erlaubnis, diese mit dem königlichen Wappen führen zu dürfen. Am 8. Juni 1786 gründen die ehemaligen Füsiliere in Wangerin die "Militärische Schützenbruderschaft".

Kameradschaftlich füreinander; einzustehen, die aus den Kriegen heim-gekehrten Verwundeten und Kranken zu betreuen, die Witwen und Waisen der Gefallenen zu unterstützen, den verstorbenen Kameraden ein ehrenvolles Begräbnis zu sichern, die Pflege soldatischer Tradition und "mit dem Gewehr alle Jahre nach der Scheibe zu schießen, um die Augen scharf, die Hände sicher und den Geist soldatisch zu erhalten", wie es in den Gründungsstatuten heißt, sind einige der selbstgewählten Verpflichtungen der Wangeriner Bruderschaft. Diese ethischen und gemeinnützigen, kameradschaftlichen Grundsätze haben die wechselvolle Geschichte des Kyffhäuserbundes bis in die heutige Zeit überdauert. Am 17. August 1786 stirbt Friedrich der Große.

 

1788  Die Militärische Schützenbruderschaft Wangerin hält weiterhin enge Verbindung zu ihrem Stammregiment, das sich inzwischen nach seinem neuen Kommandeur "lnfanterieregiment von Raumer" nennt. Major von Berg, aus dem Regiment von Raumer, vermittelt im Mai 1788 der Wangeriner Bruderschaft ein "Allerhöchstes Geschenk des König Friedrich Wilhelm II. in Höhe von 800 Reichstalern zum Ankauf eines Grundstücks. Doch die Oberweisung des Betrages bleibt zunächst aus. In einem Schreiben übermittelt Major von Berg der Schützenbruderschaft Statuten, die streng zu befolgen seien. So darf die Kameradschaft höchstens 40 Mitglieder haben, wovon ein jeder mindestens viermal beim Regiment geübt haben muss. Wörtlich heißt es weiter:

"Wenn einer von ihnen durch eine niederträchtige Handlung straffällig wird, so ist derselbe sogleich aus der Bruderschaft auszustoßen. Oberhaupt müssen diese 40 Kriegsmänner sich nicht allein in ihrem Ort, sondern in der ganzen Gegend als Muster rechtschaffener Soldaten und Bürger auszeichnen, so dass jedermann, der sie kennt, sie hochschätzt und die Jugend ein Beispiel nimmt, ihnen ähnlich zu werden."

Erst 98 Jahre später, zum 100 jährigen Gründungsfest der Schützenbruderschaft, löst Kaiser Wilhelm I. das Versprechen des Königs ein und überweist die 1788 zugesagten Reichstaler.

 

1797  Nach dem Wangeriner Vorbild entstehen weitere soldatische Vereinigungen. In Ulbersdorf im Kreise Goldberg-Haynau gründet sich der zweitälteste preußische Kriegerverein. In Aying schließt sich der erste bayerische Kriegerverein zusammen. Es folgen in Bayern 1806 und 1807 die Kriegervereine Lenggries und Füssen.